Burkhard Heim: Gesprächsrunde über Geist, Welt und Theologie – 1965

Burkhard Heim: Gesprächsrunde über Geist, Welt und Theologie – 1965

Audio-Aufzeichnung mit Burkhard Heim und einer Gesprächsrunde vom 05.12.1965. Teilnehmer: B. Heim, Ehepaar Klockmann, Frau Heim, E.M. Körner, Illobrand von Ludwiger. Ort: Göttingen

Ein tiefgehendes Gespräch mit dem Physiker Burkhard Heim über Sinn, Gebet und das Verhältnis von Naturwissenschaft und Glauben. Heim erklärt, warum er kein Bittgebet praktiziert, sondern sein Leben als Erfüllung einer vorgegebenen Aufgabe versteht. Er entwickelt sein mehrdimensionales Weltbild, in dem „Jenseits“ und „Diesseits“ Teile derselben Wirklichkeit sind, und diskutiert die Grenzen unserer menschlichen Logik im Blick auf Geist und Seele. Anhand der Bibel, archaischer Bildsymbole und neurowissenschaftlicher Experimente zeigt er, wie tief geistige Inhalte in unser seelisches und körperliches Erleben eingreifen.

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Burkhard Heim: Gesprächsrunde über Geist, Welt und Theologie – 1965 („The Lost Tapes“ 1b)

Darf ich denn mal in diesem Zusammenhang die unbescheidene Frage an Sie richten, Herr Heim? Wie stehen Sie zum Gebet? Wozu? Zum Gebet. Ja, dazu stehe ich gar nicht zu, denn ich habe den Eindruck, dass alles, was eigentlich geschieht, von vornherein seine Richtigkeit hat. Dass ich am eigentlichen Plan, der hinter allem steht, nicht viel ändern sollte.

Ich stehe auf dem Standpunkt, dass das, was auf mich zukommt, seine Richtigkeit hat und für die Gegebenheiten, die nun mal da sind, sowieso das Optimum ist. Denn ich meine, manches mag mir auch schlimm erscheinen. Es ist es in Wirklichkeit überhaupt nicht, weil alles seine Richtigkeit hat.

Und ich sage mir, ich habe eine bestimmte Aufgabe, zweifellos, denn es hat einen Sinn, dass ich überhaupt als Mensch existiere. Ich habe also die Aufgabe, eine bestimmte Sinngebung zu erfüllen. Und das ist der Sinn meines ganzen Daseins überhaupt.

Und dieser Sinn ist zu erfüllen, das ist mal das Wesentliche. Und das, was ich zur Erfüllung dieser Sinngebung brauche, das kriege ich sowieso. Denn wenn ich das nicht bekommen würde, dann wäre es überhaupt sinnlos, dass ich überhaupt da bin.

Klingt aber doch etwas reichlich fatalistisch für meine Begleitung. Nein, das ist nicht fatalistisch. Nein, gar nicht.

Das finde ich nicht, Herr Kloppmann, denn es ist ja so, dass ich durchaus, ich bejahe das Bewusstsein, dass ich einen Sinn habe. Wichtig ist für mich zu erfahren, wo dieser Sinn liegt. Und darauf muss man hinarbeiten.

Natürlich fällt einem gar nichts in den Schoß. Ich muss immer versuchen, mit Spannung und Energie dahinter zu sein, dass ich mich insofern, dass ich diese Sinnerfüllung besser erreichen kann. Das fällt mir nicht zu.

Ich kann mich nicht einfach hinsetzen und alle Vierer vor mir strecken und sagen, das wird schon alles werden, weil klar, das geht nicht. Aber wenn ich das täte und völlig fatalistisch wäre, dann würde ich ja im Grunde genommen diese Sinnerfüllung hintertreiben. Ja, ja.

Und ich werde von mir aus alles tun, was ich kann. Denn glauben Sie mir, ich habe mich 25 Mal operieren lassen bis jetzt. Und ich werde mich auch noch weiterhin operieren lassen.

Das ist jedes Mal eine ziemlich harte Sache. Und vor allem, wenn man keine Schmerzen hat und weiß aber, was einem bevorsteht, muss man sich schon ganz schön ein Tritt ins Kreuz geben, ehe man überhaupt in die Klinik geht. Aber ich bin davon überzeugt, das hat seine Richtigkeit.

Und der Ausgang aller dieser Unternehmungen ist garantiert so, dass ich eben meiner eigentlichen Aufgabe doch nachkommen kann. Und darin habe ich mich bisher auch nie getäuscht. Denn es kam schon alles zur rechten Zeit.

Ja, da würde sich die Frage dahingehend beantworten, das ist eben ein inneres Gebet, das ganze Dasein ist dann ein Gebet, wenn man es so will. Nun, ich meine, was heißt denn Gebet? Ich meine, ich kann. Das Gebet, das erstreckt sich immer darum.

Entweder ist es eine Danksagung, nicht wahr? Nun, wozu Danksagung? Mir kommt das immer davor, wenn ich vor einem Ameisenhaufen stehe und ich tue den Tierchen ein Stückchen Zucker rein und freue mich, wenn sie sich nun den Zucker holen. Ja, dann ist es mir offen gesagt ziemlich egal, ob da so eine Ameise auf die Idee kommt, mir Dankeschön zu sagen. Ich habe einfach meinen Spaß daran.

Oder aber das Gebet ist etwas anderes. Ich will irgendetwas. Ich bete entweder, weil mir Verfassungen anderer Leute nicht gefallen und ich den Eindruck habe, hier ist etwas zu verändern, oder mir gefällt meine eigene Art des Daseins nicht, dass ich für mich irgendetwas erbitte, irgendetwas erbitte, was von selbst offenbar nicht kommt.

Und da muss ich eigentlich sagen, warum soll ich das machen? Denn das Ganze, das was nötig ist, kommt sowieso. Wir wissen, dass die Welt atomar gebaut ist. Materie kann nur in Form von atomaren Diskontinuitäten auftreten.

Das Wahrscheinliche wäre eigentlich eine völlige Gleichverteilung von Materie. Materie muss sich eigentlich, alle wissen, ein Chaosbild ist der normale Zustand, wie man es eigentlich physikalisch erwarten muss. Tatsächlich beobachten wir aber etwas ganz anderes.

Wir beobachten ganz hochgetriebene Organisationen von Materie in Form von zweckmäßig funktionierenden Lebewesen. Ich hatte schon immer das Gefühl, dass so etwas nicht einfach von selber entstehen kann, durch Zufallsvorgänge, das ist nicht möglich. Frau Erfurth, Sie erinnern sich an diese Sache mit der negativen Entropie.

Herrlich, ja, ja. Allein die Existenz von organischem Leben ist an sich Beweis genug. Sehen Sie, wenn Sie eine Armbanduhr auf eine Waage legen, dann zeigt die Ihnen materiell ein bestimmtes Gewicht an.

Und wenn Sie jetzt die Armbanduhr zerstören, Sie legen die Bauteilchen alle zusammen auf die Waage, dann erhalten Sie wieder dasselbe Gewicht. Aber trotzdem, obwohl es materiell einem dasselbe ist, ist die funktionsfähige Uhr mehr als die Summe Ihrer Einzelteile. Nämlich, sie ist organisiert.

Der Erbauer, der Uhr hat den Teil seiner Intelligenz auf die Materie geprägt, dass die Uhr funktioniert. Und dieses Etwas, was dazu gekommen ist, ist ein Zustand von Organisation der Substanz. Kurz, der Erbauer hat seine Intelligenz darauf geprägt.

Naja. Das Tier ist dagegen ein richtiger kleiner Kosmos. Das Tier ist, wenn ich die Tiefe eigentlich, und dann kommt der Unterschied.

Das Tier kann nicht abstrakt denken, das sind nur wir. Und das ist nämlich der eigentliche Unterschied. Sonst ist alles eigentlich ziemlich egal.

Ich meine, es ist ja so, Herr Haim, Sie sind Naturwissenschaftler. Und auf der anderen Seite, nicht wahr, befassen Sie sich auch mit den geistigen Dingen. Also da ist so etwas wie Dualismus.

Ich kann mir vorstellen, dass Sie immer zweigleisig denken. Nein, das ist kein zweigleisiges Denken. Meinen Sie nicht, dass Sie dann einen Kompromiss schließen müssen? Nein, nein.

Denn wir dürfen so viel sagen, dass wir als Menschen mit begrenzten Sinnesorganen ausgerüstet sind, die zweckgebunden sind. Unsere Intelligenz ist ebenfalls zweckgebunden und an einen ganz spezifischen logischen Aspekt gebunden. Das heißt, von vornherein ist für uns die direkte Aufnahme der Welt und der Natur, die wir Naturwissenschaftler erforschen sollen, stark begrenzt.

Und zwar liegt es in der Natur der Sache. Jetzt kann man natürlich fragen, gibt es indirekt die Möglichkeit zu erfahren, wie unsere Welt eigentlich insgesamt aussieht. Also gesetzt der Fall, ich könnte alles in dieser Welt sehen.

Wie sieht sie dann aus? Und da bin ich zur Überzeugung gekommen, und zwar auf eine sehr präzise, logisch begründete Art und Weise, und zwar mit Hilfsmitteln der höheren Mathematik, dass unsere Welt in Wahrheit in noch anderen Richtungen ausgedehnt ist als die, die wir hier physisch sehen. Wir sehen unsere Welt ausgedehnt in Länge, Breite und Höhe. Das liegt einfach an den Organen, die wir nun mal haben, um uns hier zurechtzufinden.

In Wahrheit gibt es aber noch weitere Ausdehnungen der Welt. Es gibt noch eine vierte Ausdehnung, die uns gerade soeben noch bewusst wird als Zeit. Es gibt aber noch eine fünfte und eine sechste Ausdehnung dieser Welt.

Und dann war für mich die Frage, was kann sich hier abspielen, und kam zu dem Ergebnis, dass es zwei ganz verschiedene Bereiche unserer Welt gibt, bezogen auf uns Menschen. Nämlich einmal das, was wir physisch als Welt sehen, empfinden, das heißt Zeitablauf wahrnehmen, wofür eben unser Organismus gebaut ist. Es gibt aber noch einen ganz anderen Bereich der Welt, der zwar immer als übernatürlich bezeichnet wird, aber mit übernatürlich gar nichts zu schaffen hat.

Es ist einfach, ebenfalls gehört dieser Bereich zu unserer Welt, nur wir können ihn nicht wahrnehmen. Und in diesen jenseitigen Bereichen, ich spreche regelrecht in meiner wissenschaftlichen Arbeit von Transfiniten, jenseitig begrenzten Strukturen und Dimensionen, nämlich jenseits von Raum und Zeit liegen diese Strukturen. Und so herrschen hier auch Gesetzmäßigkeiten.

Und wenn Sie jetzt an einen jenseitigen Bereich dieser Welt denken, und wenn Sie jetzt annehmen, dass eine menschliche Seele an den Körper gekoppelt ist, und dass der Tod lediglich bedeutet, dass diese Kopplung sich aufgelöst hat, und dass das nun in einem seelischen Daseinstensorium weiter existiert, dann dürfen Sie mit Sicherheit damit rechnen, dass hier in diesem Tensorium ebenfalls Gesetze gelten, Naturgesetze gelten, die vielleicht anders aussehen als die, die wir hier kennen. Aber das ist ein einziger kontinuierlicher Zusammenhang. Die Naturgesetze dort sind praktisch die Verlängerung von denen, die hier sowieso wirken.

Herr Körner möchte eine Frage stellen. Vielleicht klingt die Frage scheinbar plump, aber das Geheimnis… Ich bin Journalist nicht. Nein, nein.

Ich wollte bloß eine Hinweise nicht hören. Das Geheimnis des Geistes, wenn man es mal so nimmt, lässt sich doch, ist das auch Ihrer Meinung, nicht formelmäßig erfassen oder nicht naturwissenschaftlich erfassen. Das Geheimnis des Geistes, an sich als Intellekt verstanden, das Urgeheimnis des Geistes überhaupt, das ist an sich auch nicht rückführbar, das ist an sich nicht logisch erklärbar.

Auch wenn man jetzt mal… Geist, also nicht Intellekt, meine ich jetzt. Das Geist hat Sinn mit Sinngebung geladen. Die Sinngebung ist überhaupt nicht, braucht nicht zu sein, ist naturwissenschaftlich nicht notwendig, aber die Sinngebung an sich, der Sinn des Geistes.

Da müssen wir nämlich jetzt ganz scharf die einzelnen Kompetenzbereiche abstecken. Sehen Sie, wenn Sie jetzt, die haben das Wort logisch benutzt. Da muss man aber vornherein dazu sagen, Sie meinen damit die Logik, in der wir Menschen denken können.

Wenn wir etwas Logisches aussagen, dann machen wir eine Aussage und verkleiden das Prädikat unserer Aussagen mit irgendeinem Adjektiv. Aber wir Menschen haben überhaupt aufgrund unseres Baus, unseres Hirns überhaupt nur zwei Möglichkeiten, etwas Logisches auszusagen. Wir können entweder nur Ja oder Nein sagen.

Und je nachdem, wie wir das Ja oder Nein jetzt prägen, kommen verschiedene Aspekte heraus. Zum Beispiel können wir von Gutem, Bösem, von Schönem und Hässlichem, von Ungleichheit, von Längenreden und so weiter. Aber tatsächlich können wir aus dieser Zweideutigkeit, dieser Alternation zwischen Ja und Nein, einfach nicht raus.

Es geht nicht. Zum Beispiel die Mathematik ist der Aspekt der Gleichheit und Ungleichheit von Punktmengen. Ich habe auch nur die beiden Auslagen.

Es ist zwar ein Aspekt mit sehr scharf präzisierbaren, quantitativ präzisierbaren Kriterien, mehr ist es aber auch nicht. Und nun ist es so, dass die Phänomene des Geistes und des Lebens so geschaffen sind, dass wir sie nicht mit dem uns verfügbaren logischen Aspekt beschreiben können. Wenn es Ihnen dagegen gelingt, ein anderes logisches Denksystem zu wählen, das andere Aussagemöglichkeiten hat, und wenn Sie sich unter der ungeheuren Vielfalt möglicher logischer Systeme das raussuchen können, was optimal den Belangen des Geistes angepasst ist, dann werden Sie den Geist erfassen können, das Wesen des Geistes, sonst werden Sie es auf alles mögliche andere zurückführen müssen.

Aber mit der augenblicklich verfügbaren Logik des Ja und Nein können Sie es garantieren nicht, da bleiben Sie auf der Strecke. Warum ist es Ihnen überhaupt gar keinen Sinn, mit diesen Mitteln anzufangen, zum Beispiel den Begriff der Seele zu mathematisieren? Nein. Das ist ungefähr genauso, wenn Sie sich jetzt so einen ganz großen Schmiedehammer nehmen, und so ein Brecheisen und eine große Klempnerzange und wollen damit eine Damenarmbanduhr reparieren, die so groß ist wie ein Fingernagel.

Das werden Sie bestimmt nicht machen. Und genau so ist es, wenn Sie den Begriff der Seele und des Lebens mathematisieren. Ja, natürlich, aber habe ich Sie falsch verstanden damit, dass es Mittel gäbe, dass Sie notfalls mit umso verfeinerteren Mitteln, oder mit einer anderen Logik meinetwegen, oder einer anderen Art von Logik, oder einer anderen Logik meinetwegen, es erfassbar wäre.

Das meine ich eben, dass es nie erfassbar ist. Das Geheimnis des Geistes ist nie erfassbar. Das ist meine Theorie eben.

Das ist an sich die theologische Theorie sowieso. Das ist meinetwegen, ich bin kein Theologe, aber sonst eben. Das ist möglich.

Wie gesagt, das steht im Katastrophenabend nicht auf dem Protostatenbündel. Zwar erzogen, aber ich glaube, dies ist aber ein Punkt, wo die Bibel uns eine Antwort gibt, nicht wahr. Die sagt, nicht wahr, dass der Geist ein Funken Gottes ist, nicht? Ja, aber wenn wir, ja, dann würde ich aber sagen, die Bibel ist ausgedrückt worden in einer menschlichen Sprache, und wenn sie aber in einer menschlichen Sprache geschrieben ist, dann drückt sich darin auch die menschliche Logik aus.

Ja, eben. Und wenn wir hier eine Antwort erwarten, dann heißt das aber mit anderen Worten, dass man durchaus unter Umständen an diese Dinge herankommen könnte. Es kann aber auch der Ausdruck, ein Ausdruck göttlicher Sprache sein, denn es kann ja medial empfangen sein.

Es braucht nicht unbedingt das Produkt menschlicher Logik zu sein. Ja, das ist sowieso drin, dass ich aber überhaupt, wenn ich den biblischen Text ansehe, doch den Eindruck bekomme, dass hier eigentlich eine rationale Übermittlung nicht gegeben ist. Nein, nein.

Denn ich habe eigentlich immer so den Eindruck, wenn ich jetzt mal von den vielen Passagen des Alten Testamentes absehe, die offensichtlich Geschichtsschreibungen sind, da muss man nicht unterscheiden. Man muss genau, glaube ich, unterscheiden zwischen den Stellen, wo einem nun irgendetwas gesagt wird, was zeitlos ist, und den Stellen, wo einfach nur hebräische Geschichte reingeraten ist. Da muss man, glaube ich, auch unterscheiden.

Aber die Stellen, die nun zeitlose Bilder enthalten, sind zwar zu verschiedenen Zeiten geschrieben, zum Beispiel die ganze Genesis, der eine Teil, der ist ungefähr dreieinhalb tausend Jahre alt, und der andere Teil ist tausend Jahre später geschrieben. Aber das ist an sich so, wenn man sich den Text ansieht, ich weiß nicht, ob Sie auch immer dieses eigenartige Gefühl dabei haben, hier wird in Bildern gesprochen. Und zwar in ganz urtümlichen archaischen Bildsymbolen.

Und das finde ich ganz interessant, denn das Bildsymbol ist das einzige, in dem unsere Seele reagieren kann. Die tiefen Schichten unserer Seele sind gar nicht fähig, abstrakte Gedanken zu formulieren. Die tiefen Schichten der Seele können nur Bildsymbole produzieren.

Und genau in diesen Bildsymbolen wird hier gesprochen, sodass unmittelbar die tiefen Schichten selbst angesprochen werden können. Es ist übrigens unwahrscheinlich, wie stark diese in die Tiefe gehenden archaischen Bildsymbole einen Menschen beeinflussen können. Es gibt viele Märchen, in denen kommen auch solche Symbole vor.

Ich könnte Ihnen ein sehr interessantes Experiment vorführen. Und zwar könnte ich Ihnen bei mir drüben im Laboratorium zeigen, wie man aus dem menschlichen Hirn die elektrische Tätigkeit abnimmt und sichtbar macht. Und nun kann man an den Apparat eine ganz rational denkende, geschäftstüchtige Frau von heute setzen oder ein Mann von heute, der Märchen bloß noch so wie so einen dunklen Traum empfindet aus ferner Kinderzeit.

Vielleicht eine Frau, die an nichts Geistiges denkt, die eben bloß für das Jetzt da ist und bei der sich vielleicht die Gedanken nur an der einen einzigen Richtung abspielen. Wie das so üblich ist jetzt. Geld und mit Geld protzen.

So dieser Typ, der jetzt viel rumläuft. Bei so einem Menschen kann man zweifellos nicht sagen, dass er über mediale Fähigkeiten verfügt. Man kann auch nicht sagen, dass er geistigen Dingen nahesteht.

Es ist eben so dieser Wiefstecktyp. Und trotzdem, ich könnte der Frau zum Beispiel die Geschichte vom Froschkönig erzählen. Dann wird diese Frau gelangweilt zuhören und nun kommt eins dieser urtümlichen Symbole, nämlich die Stelle, wo der Frosch der Prinzessin ins Bett springt.

Und in diesem Augenblick, obwohl die Frau kaum zuhört, wird sie auf dem Bildschirm eine ganz steile Erregungsspitze sehen und die Frau merkt das überhaupt nicht. Das hat sich aber in die Arschgärte gelegt. Ich meine, man kann diese Experimente auch weitermachen.

Das ist interessant, ja. Ich meine, ich will Ihnen damit zeigen, wie stark diese archaischen Symbole wirken können. Und es sind reine Bildsymbole, die immateriell nur auf die Seele wirken, aber eine handfeste materielle Reaktion auslösen.

Freud würde ja etwas anderes vermuten. Ja, das hängt wohl alles miteinander zusammen. Ich meine, Freud’s Libidobegriff, es kommt darauf an, wie weit er den spannt.

Wenn Sie den Libidobegriff allgemein definieren als Besetzung von seelischer Aktivität, dann können Sie ihn sehr weit spannen. Wenn Sie ihn aber nur auf die sexuellen Vorgänge beziehen, dann würde von diesem Libidovorgang nur ein kleiner Teil ziemlich körpernah seelischer Bereiche erfasst werden, der eigentlich dann so unter ferner Läufen geht. Denn es gibt auch noch andere Bereiche, die Libido wäre eine Aktivität oder eine Spannung eines einzigen Teils der seelischen Triebsphäre umfassend.

In Wirklichkeit würde es analoge Triebsphären dazu geben, die mit der unmittelbaren Erhaltung des eigenen Daseins, mit der Evolution des eigenen Daseins zusammenhängen. Und da würden ganz ähnliche Dinge auftreten. Aber ich glaube, diese Freudschengedanken, die ich auch ganz gut kenne, sind eigentlich, ich würde sagen, zu stark spezialisiert.

Es war zwar ungeheuer wichtig, dass er das gemacht hat, und die Methoden, die sich daraus ergeben haben, werden noch heute angewendet, mit gutem Erfolg übrigens. Nur hat er eine Gesamttheorie der Psyche antizipiert, und dazu fehlten alle Erfahrungen, es fehlten auch die Voraussetzungen der damaligen Zeit. In der heutigen Zeit fehlen auch die Erfahrungen.

Und ich würde sagen, die geistigen Voraussetzungen, die nötig sind, um eine Theorie der Seele zu schreiben, sind noch in keiner Weise gegeben. Das wird immer eine Stimperei bleiben, letzten Endes. Es wird nie die… Wir werden so schnell diese Möglichkeiten gar nicht haben, vielleicht reden wir so.

Pierre Körner sagte überhaupt nie. Es ist natürlich ziemlich schwer, wenn es um solche grundlegenden Dinge handelt, die uns alle angehen, da nun befreiend zu sagen, wir können hier nicht weiter. Und es hat auch keinen Zweck, da nun einfach Wunschergebnisse vorwegzunehmen und dann so eine Art Doktrin rauszumachen.

Aber hatten Sie es nicht für möglich, Herr Haim, dass man Modelle aufstellen kann, ebenso, dass man Modelle aufstellen kann, auch für Seele. Sicher, aber das ist viel deutlicher. Wenn man aber weiß, worüber man redet.

Es ist ja schwierig bei Seelen, zum Beispiel weiß ja kein Mensch, was der Gegenüber, jedenfalls vom Gesprächspartner, ja nicht, was er damit meint. Wenn man das auf einer Definitionsbasis anfängt, kann man doch vielleicht… Das macht man ja auch, dass man Seelenmodelle entwickelt, aber man darf dabei dagegen auch gar nichts einzuwenden. Aber man darf nie vergessen, dass es nur Modelle sind.

Ja, ja, sicher. Genau das Gleiche haben wir in der Foskologie, wir haben Weltmodelle. Nur leider vergessen die die da manchmal, weil es so schön geht, dass es nur Modelle sind.

Ja, ja. Die Wahrheit über den Kosmos ist ein Abstraktum. Ja.

Genau wie die Wahrheit über das, in den atomaren Bereich ein Abstraktum ist. Ja, ja. Wir können zwar Atommodelle schaffen, aber es ist nur ein Modell.

Ja. Die Wahrheit ist abstrakt, vielleicht sogar kaum noch denkbar. Die Wahrheit über den Kosmos ist ein Abstraktum, es gibt ungefähr 250 Weltmodelle, keins ist ganz falsch, keins ist ganz richtig.

Ja, weil es mathematisch geht. Ja, es geht so ein bisschen. Und so können wir auch Modelle in Bezug auf die Seele machen, obwohl es hier wesentlich schwerer ist.

Ja. Und man wird hier wahrscheinlich noch viel besser Fahrkarten knallen als bei kosmologischen Modellen. Denn bei kosmologischen Sachverhalten haben wir zumindest doch einen Anlass, einen Ansatzpunkt, weil wir hier die Materie unmittelbar ausmessen können.

Ja. Beim psychischen Modell haben Sie aber nicht einmal, haben Sie auch nur ganz, ganz vage, handgreifliche Ansatzpunkte. Ja, Sie können immer schließen aus den psychosomatischen Änderungen des Körpers.

Im Grunde genommen ist das Elektroencephalogramm auch nichts anderes als eine psychosomatische Korrelation, die allerdings sehr sauber ist. Ja. Alle anderen Reaktionen sind viel deutlich weniger.

Aber natürlich hat der Alpha-Impuls mit der Seele nichts zu tun. Das sind elektrische Vorgänge, die kommen aus dem Hinterhirn. Man hatte immer früher so rumgesponnen, das sind seelische Vorgänge.

Ja, dann hat mal einer es fertig gebracht und hat zwei Elektroencephalogramme zum Kongress mitgebracht. Ja. Und sagte, ja, bitte, das eine ist von einem sehr intelligenten Wesen, das andere von einem weniger intelligenten Wesen, zwar sind es Alpha-Wellen.

Bitte, meine Herren, entscheiden Sie. Die konnten die Dinger nicht auseinanderhalten. Und der Kongress war erschlagen, als ich herausstellte, das erste Elektroencephalogramm war von einem Nobelpreisträger und das zweite von einem Gelbrandkäfer.

Aber so sieht es nicht im ganzen Hirn aus. Es gibt hier, frontal kann man die ableiten, Impulse, die kommen aus dem Stirnhirn. Das sind die sogenannten Beta-Impulse, die sind ungeheuer schwach.

Die heutigen Geräte zeigen die nur als einen verbreiterten Strich auf dem Schreiber. Man kann sie nur mit der Auswertungslupe sehen und kann nichts draus machen. Aber aus der Art, wie sich die Strichdicke verändert, schloss Professor Hohracher, dass im Gegensatz zu allen anderen Impulsen diese Impulse ein Abbild seelischer Zustände sind.

Wir haben uns nun mal herangemacht, die wissen ja, wir brauchen diese hohen Empfindlichkeiten. Wir haben jetzt, das Ding können Sie sich übrigens mal anschauen, Herr von Ludwig. Wir haben jetzt einen Verstärker, der ist ungefähr um den Faktor 500, 100 bis 500 empfindlicher als das Beste, was es heute gibt.

Und verstärkt ums 300-Millionen-Fache. Und mit dem Ding haben wir mal diese unbekannten Beta-Impulse abgeleitet. Bei uns sind sie kein dicker Strich, bei uns gehen sie über den ganzen Bildschirm.

Und da stellt sich tatsächlich heraus, dass Hohracher recht hat, hier scheint wirklich der seelische Zustand ein körperliches Abbild zu finden. Das Schwingungsbild ättert sich jedes Mal, wenn sich der Gefühlszustand verändert. Sie können es auf alle Fälle wissen, aber ich habe den Eindruck, dass wir es mit einem ganz engen Korrelat zu tun haben zwischen Körper und Seele.

Und dass der Vorgang in dem einen Bereich unmittelbar, in dem anderen ausführen kann. Denn es gibt körperliche Erkrankungen, die auch völlig in materieller Weise zustande kommen. Wir nennen es Trauma.

Das heißt, der Begriff Trauma ist in der Wissenschaft auch auf körperliche Effekte angewendet, aber das ist halt nicht als Lesion, weil man hier einen starken Unterschied machen muss. Das heißt, ich bin damit auch bei den Psychiatern ganz gut angekommen. Ein seelisches Trauma entsteht ohne einen materiellen Vorgang.

Es kann endogen durch innere Verstimmungen entstehen. Es kann aber auch durch äußere Dinge kommen, durch einen anderen pathologischen, seelischen Einfluss. Und es ist, wie gesagt, völlig in materieller Hand.

Es koppelt aber unmittelbar den Körper zurück und kann dort Schwererkrankungen auslösen. Es gibt zum Beispiel seelische Defekte, primär seelisch bedingte Traumen, die hartfeste Vergiftungserscheinungen im Körper auslösen. Diese Endokrinien verstellen, die Körperflüssigkeit wird falsch zusammengesetzt.

Die Leute leiden an schweren Vergiftungen oder es können Schürer entstehen als mögliche. Die Depressionen haben sich bis ins Morgen eingeschränkt. Das muss man nicht so sauber nachweisen.

Aber ganz eindeutig ist auch, dass jede Lesion des Körpers ihre zwangsläufige Rückwirkung auf die Seele hat und dort wiederum Traum haben kann. Und dieses Trauma der Seele, den körperlichen Defekt, wiederum vertieft. Das ist ein zirkulus fysiosus geschlossen.

Es gibt es, dass die Leute plötzlich sterben, kein Mensch weiß warum. Weil ein solcher Zirkel entstanden ist. Und andererseits ist es so, wenn zum Beispiel der körperliche Defekt in die Seele hinein wirkt, diffus, dass es zu keiner Rückkopplung kommt, dann kann sich natürlich das ganze Gefühl gefallen machen.

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